Am 5.02.2008 war ein spannender Tag für mich. Nach vier Jahren kam endlich mal wieder ein neues Album von Mister Lenny Kravitz raus. Ich war sehr gespannt, eigentlich sogar ein wenig ängstlich. Denn auch als alter Lenny-Fan muss ich zugeben dass seine letzten Platten ziemlich nachgelassen haben. Immerhin waren wenigstens immer zwei, drei gute Songs dabei. Grundsätzlich finde ich, dass Lenny sich ziemlich verändert hat, seit dem er seine Alben digital aufnimmt. Sein Album „5″ war anfangs ein Schock für mich, trotzdem auch hier einige sehr gute Songs vertreten sind. Was ich aber immer vermisst hab sind Songs wie „Sister“ vom Album „Are you gonna go my way“. Songs, die noch richtig unter die Haut gehen, oder wo man den Wah Wah der Gitarre noch knacksen hört. Die beiden Alben „Lenny“ und erstrecht „Baptism“ haben dann leider noch weiter abgebaut. Wer weiß, vielleicht war das auch ein Versuch sich von diesem ewigen Ruf des Retrorockers zu befreien.
Ich war also vorbelastet, wobei ich aber auch nicht verheimlichen will, dass ich mich trotzdem gefreut hab, wie ein kleines Kind auf seine Schokolade;)
Am 5.02.2008 war ein guter Tag für mich. Nach vier Jahren hatte ich endlich mal wieder neues Material von Mister Lenny Kravitz in den Ohren. Und es war gut. Es hieß, er habe sich viel Zeit genommen, um die ganzen alten Laster los zu werden. Um sich wieder darauf zu besinnen, was er wirklich will. Und ich muss sagen, dass hört man. Sein Sound geht wieder mehr in Richtung seiner älteren Alben. Das gefällt mir. Also entweder hat er mittlerweile gelernt digital einen guten Sound zu machen, oder er hat tatsächlich analog gearbeitet, wie es im Video zu „I’ll be waiting“ dargestellt wird. Das Album wurde weitläufig sehr scharf kritisiert.
Er kupfere nur ab, hat schlechte Texte und so weiter…. Tja, da kann man eigentlich nicht wirklich etwas dagegen halten, denn er kupfert wirklich viel ab. Aber das tut er seit Beginn seiner Karriere. Trotzdem hab ich ihn immer gemocht. Er hatte trotz der geklauten Ideen immer etwas Eigenes. Es ist ja nicht so, dass er nen Song eins zu eins nachspielt und nur einen eigenen Text dazu verfasst.
Wie dem auch sei, mich konnten die ganzen negativen Stimmen nicht überzeugen, ich mag das Album, und bin sehr gespannt auf seine Funkplatte, die er raus bringen will.
Am 28.02.2008 war es dann soweit. Mein Idol aus alten Tagen kam nach Berlin, um ein Clubkonzert zu geben.
Ich bin fast ausgeflippt, als ich im Internet las, dass Lenny in der Columbiahalle spielt. Ich meine, er spielt sonst in der Wuhlheide oder der Waldbühne.
1996 war ich auf meinem ersten Lenny Kravitz Konzert. Es war mein erstes Rock Konzert überhaupt, und ich war einfach nur baff.
Diese Show hat mich total verblüfft. Alle weiteren Konzerte, auf denen ich danach war, mussten sich mit diesem Gig messen. Und das war schwer. Lenny hat bleibenden Eindruck hinterlassen. Wahrscheinlich bin deshalb seit dem auf jedes Kravitz Konzert in Berlin gegangen. Man kann also sagen, ich habe zumindest die letzten 12 Jahre seiner Karriere aktiv mit verfolgt.
12 Jahre später spielt er also nun in der Columbiahalle. Was hab ich mich gefreut. Das kleine Kind bekam einen ganzen Laster voller Schokolade. Lenny so nah erleben, das war schon was. Und erst recht nachdem mich seine neue Platte so begeistert.
3 Wochen vor dem Konzert lag er noch im Bett und war wohl wochenlang krank.
Deshalb sollte das ganze nur eine Art Jamsession werden, meinte Lenny. Es war wohl auch für ihn etwas besonders, in so einer kleinen Halle zu spielen, denn er meinte, er findet es toll in unserem „Wohnzimmer“ für uns spielen zu dürfen. Wir sollten uns einfach entspannen und genießen. Das große „Konzertding“ findet dann wieder im Sommer openair statt.
Mit „Bring it on“ ging dann die Show los. Und es rockte von Minute eins. Weitere Rock-Kracher folgten und ich konnte natürlich nicht mehr still stehen.
Und tatsächlich wurde hier und da ein wenig gejamt. Lenny ist sogar mal ans Schlagzeug gegangen und hat seine Band mal machen lassen. Die besonders schönen Momente waren die, in denen man ihm angesehen hat, dass er selber richtig Spaß bei der Sache hat und sich wohl auch grad wie ein kleiner Junge fühlt.
Seine Livekonzerte waren für mich schon immer etwas Besonderes. Denn immer wieder spielt er neue Versionen von alten Songs oder jamt auch mal ein wenig rum. So gab es diesesmal abgesehen von dem Schlagzeug-Jam zum Beispiel eine extended Version von „I’ll be waiting“ mit einem typischen Craig Ross Gitarrensolo am Ende, das mir, selber Gitarrist, die Ohren hat schlackern lassen ![]()
Oder ein anderes Highlight war das 91 erschienene Lied „What the fuck are we sayin?“. Dafür hat er andere Klassiker wie „It ain’t over ’til it’s over“ oder „Believe“ leider nicht gepielt. Aber vielleicht wollte er diese Songs gerade auf einem „Wohnzimmerkonzert“ mal nicht spielen. Aber auch von der neuen Platte gab es gerade mal 2 Songs zu hören.
Nach 1 1/2 Stunden war das Konzert dann vorbei. Die Menge kreischte. Als Zugabe gab es dann leider nur „Are you gonna go my way“ – keinen weiteren Song. Ich schätze mal, dass Lenny noch nicht Hundert prozentig fit war. Ich selber war nach dem Konzert aber auch ziemlich fertig. Denn gerockt hat es allemal und ich war hoch zufrieden. Mein altes Idol kann es immernoch. Und er hat noch Spaß an der Sache. Das lässt mich seine Lieder wieder viel lieber hören.
Die Kamera durfte bei solch einem Ereignis natürlich nicht fehlen. Pics and Vids below!
Lenny an den Drums:
I’ll be waiting:
Der Text wäre ‘You’ve got the love you need right in front of you! Please come home’ gewesen
Solo zu I’ll be waiting:
Dig in, der zweite Song des Konzerts:
Der ging unter die Haut:
Der Schlagzeuger ist lustig anzuschauen, zum Ende des Vids hat Lenny ein Problem mit der Gitarre:
Offtopic
Warum laufen eigentlich immer diese Rowdys noch kurz vor dem Konzert Kreuz und Quer über die Bühne und tun so, als ob sie noch irgendwas checken müssten. So ein Quatsch, bei Shows diesen Kalibers ist alles schon lange vor Einlass der Gäste bereit und doppelt gecheckt. Also hört auf uns was vor zu machen. Was soll das? Ich vermute das ist alles Zeitschinderei!
Wie Lenny nun im Studio recordet ist ein Sache, auf seinen Konzerten wird der Sound mit einem beachtilichen DigiPult gemischt. Krasses Teil.
![]()
Dann sind mir noch zwei alte Custom Fender Amps neben der Bühne am Bühnenmixer aufgefallen. Diese alten Röhrenamps haben ein schön warmen aber auch ordentlich rockigen Sound, wenn man will. Damit erhält man den typischen alten Bluessound. Wurden diese Amps etwa zuständig für den ursprünglich, rockigen Sound nicht sichtbar neben die Bühne gestellt, und die neuen Fender Tops nur zur Show auf der Bühne platziert? Oder lediglich als Soundwiedergabe, nicht aber als Soundgestalter eingesetzt?
![]()
Fragen über Fragen, vielleicht finde ich es ja mal heraus, wenn ich selber solche Konzerte spiele ![]()
Hm, ich glaub der kleine Junge in mir braucht mal wieder etwas Schokolade….
In diesem Sinne: Bis zum nächsten Rockkonzert!!!! Die Ärtze, The Kooks oder Rage Against The Machine wären keine schlechten Kandidaten!
Tags: 2008, Berlinkonzert, Columbiahalle, Lenny Kravitz, Live